Tour in`s Allgäu zum Waltenberger Haus - 25. - 27.07.2014

Eigentlich wollte ich diesen Bericht in derselben Kurzform darbringen , wie der einst Gajus Julius Cäsar , der nach dem Sieg über die Gallier lapidar berichtete „Ich Kam , Sah und Siegte „ . Da ich nicht Größenwahnsinnig bin , sollte es bei mir heißen „ wir stiegen auf, aßen und tranken und stiegen wieder ab„ Nun letztendlich wird es dann doch ein bischen umfangreicher. Für den Zeitraum vom 25.07.2014 bis zum 27.07.2014 plante ich eine Hüttentour zum Waltenberger Haus , zum einen da es sich um die älteste noch halbwegs originale Alpenvereinshütte handelt zum Anderen soll Sie zum Saisonende 2015 abgerissen  und durch einen Neubau ersetzt werden , im Allgäu war ich obendrein eh noch nicht unterwegs , also hin ! Am frühen Morgen des 25.sten fuhren Elvira , Barbara und ich gut gelaunt Richtung Oberstdorf zum Parkplatz der Fellhornseilbahn , Reiner und Benno fuhren aus dem Kaisergebirge zu unserem Talort. Reiners und Bennos Ankunft verzögerte sich , so dass lediglich wir drei  gegen 11.00 Uhr mit dem Linienbus zum Ausgangspunkt unserer Tour der Eschbachalp ( 967 m ) fuhren. Von da an ging es auf einem Wirtschaftsweg , recht sanft ansteigend , zur südlichsten „ Gemeinde “ Deutschlands Einödsbach auf 1115m Höhe. Bei diesem Ort ist der Name Programm , im Grunde ist Einödsbach eine
gemütliche , gute Ausflugsgaststätte mit Übernachtungsmöglichkeit. Nach einer kurzen Stärkung ging es weiter entlang des Bacherlochbaches. Der Bergweg führte durch dichtes , wild wucherndes Grünzeug dazu die schwüle Hitze und jeder Menge Mücken und Bremsen man konnte fast glauben man wäre irgendwo im Tschungel. Nach der Überquerung des Bacherlochbaches stiegen die Anforderungen stark an , der Aufstieg glich im großen und ganzen dem Noitroisteig jedoch länger , steiler und mehr Höhenmeter.Größter Unterschied war jedoch die Flora am Wegesrand , während im Habachtal Alpenrosen dominieren traf man hier auf Türckenbundlilien und jede Menge Orchideen , wirklich schön. Nach einem steilen Serpentinenabschnitt folgte die Schlüsselstelle des Aufstieges , eine sehr ausgesetzte Felspassage die zum Teil über eine abenteuerliche Stegkonstrucktion führte. Diese war aber durch ein straff gespanntes Stahlseil gesichert. Danach war wieder die Parallele zur N.Thüringer Hütte , man sah kurz das Waltenberger Haus , dann war es wieder weg ! Der Rest des Weges war dann reine Fleißarbeit , von der Aussicht abgesehen , nichts spektakuläres. Gegen 16.00 Uhr erreichten wir das äußerlich ansprechende , schöne Gebirgshaus. Nach einem Kaltgetränk auf der Terrasse meldeten wir uns an und bezogen unser Lager.Das Zimmer trug den Namen „Dunkelkammer“ , dies traf dann auch voll zu : drangvolle Enge , ein winziges Fenster und Schlafplätze in die man kaum reinkriechen kann. Naja irgendwie platzierten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg zu den Waschräumen , äh ich meinte Waschnieschen, in diesen befanden sich ebenfalls die Toiletten , lediglich mit einer Milchglaswand und einer Struckturglastür vom Waschraum getrennt. SAUKOMISCH. Nur nicht für den der drinne sitzt. Besonders die Damen fanden diesen architektonischen Geniestreich alles andere als optimal.Es gab noch eine „Toilette“ in einer Rumpelkammer hinter der Hütte , hier hockte man zwar blickdicht, aber dafür mitten in einem Haufen Sperrmüll. Aber ich will ja nicht nur meckern , der Gastraum war zwar klein aber urig und gemütlich.Das Essen schmeckte auch und zu trinken gab´s auch reichlich. Ach ja essen , kurz nachdem wir damit fertig waren trafen Reiner und Benno ein, gemeinsam verbrachten wir noch den Restabend.Dabei diskutierten wir die Möglichkeiten des Samstages durch. Geplant war eine Tour zur Mädelegabel ( 2644 m ), aber nach einer Präzisierung des Wetterberichtes machten wir uns keine all zu großen  Hoffnungen.Am Samstagnachmittag sollte wiedereinmal eine Gewitterfront heranziehen , wäre ja auch mal ein Wunder wenn es nicht an meinem Bergwochenende regnen würde.  Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt,vielleicht kommt ja die Kaltfront später rein und die Tour geht doch!! Pünktlich zur Hüttenruhe bezogen wir unser Lager, bezogen ?  Eher sind wir reingekraucht , so müssen sich früher U-Bootbesatzungen gefühlt haben , man liegt in seiner Koje und 30 cm über dem Kopf ist schon der Boden des darüberliegenden Bettes.Wenn man dann noch , wie ich , in der „Besucherritze“ zwischen zwei Matratzen liegt , wird einem erst einmal klar : was wir doch selber für ein Luxushotel im Habachtal haben. Der dramaturgische Höhepunkt der Nacht war jedoch das spätere Eintreffen unserer fünf „Obstlergeschwängerten“ Zimmermitbewohner, allesamt im 2 ten Stock der Schlafplätze einquartiert.Nach unzähligen Aufsteigversuchen und einem heillosen Durcheinander mit viel Lärm und Gelächter war dann endlich ruhe. Samstagmorgen : Um 05.30 Uhr begann unser neuer Tag. Rechtzeitiges Aufstehen sichert immerhin einen Platz am Waschbecken und im Glasklo. Um 07.00 Uhr aßen wir unser , am Vorabend , bestelltes Kleines Frühstück für 6.50 € bekamen wir immerhin doch eine dürre Scheibe Brot ein Mini- schälchen Marmelade und ein Tässchen dünnen instant Kaffee. Dann hatte der Hüttenwirt noch eine Überraschung für uns, die Kaltfront kommt schon spätestens am Mittag rein , natürlich mit Sarkregen und Gewitter im Gepäck. Klasse volle Punktzahl! Kurze Absprache mit den Tortourteilnehmern , dann fassten wir den Einzigen vernünftigen Entschluss ABSTIEG. Denn der Hüttenweg bei Nässe zu begehen ist recht Riskant , zwischen dem Kalkgestein und Geröll ist reichlich Lehmboden , wird der Nass ist es wie Schmierseife. Also packten wir schleunigst unsere Rucksäcke , zahlten unsere zweite Übernachtung , der Hüttenwirt war halt ein kleines Cleverchen und teilte uns schon mal am Vorabend unsere Hüttenmarken für den Folgetag aus , die mussten ja dann beglichen werden. Stornogebühr !!! Weil ja bei dem angekündigten Unwetter ja noch Unmengen  an Kraxlern zur Hütte aufsteigen wollten , denen er wegen uns absaben musste. Sei`s drum iss halt so. Beim Abmarsch war der Himmel schon komplett Wolkenverhangen und es war merklich kühler als am Vortag , dies hatte aber den Vorteil ,dass die lästigen Mücken und Bremsen nicht mehr um uns herumschwirrten. Je weiter wir abstiegen desto niedriger wurden auch die Wolken , von den Berggipfeln war schon recht bald nichts mehr zu sehen, würden wir es noch trocken bis zum Auto schaffen ? Blöde Frage natürlich schafften wir es nicht. Aber immerhin bis zum Gasthof  Einödsbach , genau als wir dort eintrafen begann es zu schütten. Das störte uns aber bei lecker Essen und Trinken recht wenig , aber auf dem Wirtschaftsweghatscher zum Bus um so mehr. Am frühen Samstagnachmittag führen wir dann wieder Richtung Heimat , durch totales Sauwetter : Starkregen , Blitz und Donner so dass es auf der Autobahn teilweise kaum noch Voranging.Fazit : Vor der Tour dachte ich noch die spinnen ,nicht die Römer , sondern die Sektion Immenstadt , die Besitzer der Hütte.So ein altehrwürdiges Haus reißt man doch nicht ab, dass saniert man liebevoll. Nachdem ich oben war sag ich : WEG MIT  ,ist zwar schade,aber überfällig! Ansich ist die Gegend dort wunderschön und sehenswert , wenn die neue Hütte steht werde ich die Tour noch mal in Angriff nehmen. Thema Wetter : Irgendwie wird es immer instabiler und unberechenbarer obendrein habe ich einen Sauwetterschnitt der jeglicher Wahrscheinlichkeitsrechnung spottet. Äh ? Mal durchrechnen nahezu 100 % , von der letztjährigen Mödlinger Tour abgesehen ,bei der es unerträglich heiß war. Daher bin ich zu dem Entschluss gekommen , meine Tour ab nächsten Jahr im Spätsommer oder frühen Herbst zu planen.

Berg Heil Euer Steffen