Reiner und Steffens „Himmelfahrt`s“
Selbstversorgertour mitten im Trentino

(Außergewöhnliches zum Saisonauftakt vom 08.05 bis 12.05.2013)

Die diesjährige Auftakttour führte uns in ein recht abgelegenes Berggebiet nordwestlich von Arco, oberhalb des Lago di Tenno. Mittwoch gegen Mittag starteten R. Hensel und ich Richtung Brenner, wie schon so oft. Am Vormittag hatte ich auch meine, lang bestellte, Kompass Karte (1:25 000) bekommen, nun konnte ja nichts mehr schief gehen. Wir hatten eine recht gute Zeit gewählt, unsere Strecke war völlig frei und wir kamen zügig voran. Wir ließen den Zeltplatz Vahrner See links liegen und steuerten unseren Ausgangspunkt, den Passo Ballino (763 m) an. Im Bereich dieses verschlafenen Sträßchens wollten wir für heute unser Zelt aufschlagen u. nächtigen. Leider hatte das kleine „Sträßchen“ ungefähr eine Verkehrsdichte, wie die B19 an einem Freitagnachmittag, unerklärlich! Auf einen Infoparkplatz schlugen wir erst ein Zelt auf – und uns dann die Nacht um die Ohren. Was soll’s, ein deftiges Frühstück und wir starteten genau am Ballino Pass zu unserem ersten Ziel, der Casina Cogorna auf 1.671 m. Durch einen sonnigen, lichten Mischwald stiegen wir, ohne Hast, mal auf Bergwegen, mal auf Wirtschaftswegen dem steilen Osthang des Croz de Mezdi (1.531 m) empor. Etwa auf halbem Weg an einer Weggabelung, Tombus (ca. 1.100 m) genannt, konnte man sich dann entscheiden ob man westwärts durch die Felsen der Cogorna (1.866 m) oder ostwärts den Croz de Mezdi auf einem Bergweg umrundet. Wir entschieden uns natürlich für die Ostroute. Dem Weg 462 folgend erreichten wir in etwa 1.400 m Höhe den Punkt an dem wir erkannten: Fehlentscheidung!!!!!! Kurz unterhalb der Felsen machte ein viersprachiges Schild darauf aufmerksam, dass der Steig gesperrt war – verdammt!
Was nun, trotzdem weiter? Diskussion. Die Felswände sahen recht beeindruckend aus (äh wo geht denn da ein Steig lang?), außerdem sind wir beim Aufstieg über einige zünftige Murenabgänge gestiegen. Vielleicht gab es den Steig ja gar nicht mehr? Vom Starkregen weggespült? Naja, nach einer Pause stiegen wir wieder Richtung Tombus ab. Die schönen Höhenmeter waren dahin. Als wir an der Wegkreuzung waren stellte sich nach einer Weile des Suchens leider heraus, dass sich die Wege hier nicht an die neue Karte halten und schlicht und einfach nicht da sind. Die Westroute existiert nicht! Basta! Also stiegen wir auf dem Wirtschaftsweg- Hatscher 462 b weiter ab und fanden schließlich einen Weg der so ungefähr in Richtung des Weges 461, der Route vom Dörfchen Cavastro zur Casina Cogorna, führte. Tatsächlich, nach einer geraumen Zeit, kamen wir in die enge Schlucht. Dummerweise war der Bergweg 461 auf der anderen Seite. Macht ja nichts, die Karte zeigte eine Querung rund 200 hm über uns an. Wir gingen also auf einem gerade noch erkennbaren Pfad nach oben. Kaum zu glauben, welch eine Freude, dass inzwischen spektakuläre Tal zeigte keinerlei Interesse an einer Querung. Ein kurzer steiler Hang ging mal eben so in senkrechten Fels über? Danke KOMPASS solche Karten braucht das Land. Missmutig und echt angepi..t stiegen wir weiter direkt an der Schlucht ab. Wir dürften wohl weit unterhalb unseres Ausgangspunktes gewesen sein als wir endlich doch noch eine Überquerung fanden. Hier machten wir an dem herrlichen Bergbach eine ordentliche Pause, schließlich hatten wir ja noch – „....ohhhh nein“ – so knapp 1.000 hm vor uns bzw. auch schon hinter uns – Leute Leute! Nun ging es durchweg auf recht steilen Pfaden unserem Tagesziel entgegen, sogar der Weg war dort wo er hingehört. Unterwegs bemerkten wir auch eine Besonderheit, mitten im Kalksteinmassiv fanden sich überall große und kleinere Granitsteinbrocken. Seltsam? Also mit Technik hat die wohl niemand hierher gebracht, da hätten selbst die alten Ägypter abgeloost. Wenn jemand was weiß: melden. Mit der Zeit wurden jetzt auch unsere Rucksäcke immer " schwerer", die vielen Höhenmeter steckten uns ganz schön in den Knochen, im „Mount-Everest-Schritt“ schlichen wir der Hütte entgegen. Es kam nur noch ein kurzes Steilstück und wir standen unvermittelt auf einer großen von Krokussen übersäten Almwiese an deren Ende man schon unser Tagesziel, die Casina Cogorna, erkannte. Ab hier waren unsere " Restkräfte " (mit einem Mal) völlig erschöpft, obwohl es nur noch ein paar Meter waren, fielen wir auf der Stelle um und machten eine letzte Rast. Die Luft war sozusagen völlig raus. Die Casina Cogorna ist ein recht großes Almengehöft mit einem im Sommer bewarteten Wirtschaftshaus und einem ansehnlichen Stallgebäude. Im Haupthaus befindet sich auch der steht’s offene "Winterraum". Im Erdgeschoss ist ein großer Raum, ein Ofen, ein Tisch und zwei Bänke - Ende. Die obere Etage beherbergt, sozusagen, den völlig verdreckten Schlaffraum. Zum Glück hatten wir als Notreserve unsere leichten Trekkingzelte dabei. Sie dienten als "Bezug" für die üblen Matratzen. Schließlich wollten wir ja unsere Schlafsäcke noch weiter nutzen. Jetzt war erst mal in großem Umfang Schneeschmelzen angesagt. Wasser wird immer reichlich gebraucht, vor allem für den verfeinerten Tee. Das Wetter war recht schön, so dass wir die meiste Zeit vor der Hütte im Sonnenschein verbrachten. Gegen Abend trafen noch drei tschechische Bergsteiger in der Hütte ein. Am Vorabend hatten wir die Drei schon einmal direkt am Ballino-Pass gesehen. Sie stiegen dann noch nach 21.00 Uhr Richtung Malga Nardis (1784 m) auf. Nach späterer eigener Aussage erreichten Sie die Hütte gegen 02.00 Uhr, total verrückt. Überhaupt waren Sie sehr umgänglich, unterhaltsam und irgendwie die totalen Neulinge mit komplett nagelneuer Ausrüstung und im Rucksack lauter schwerer unsinniger Kram. Wie gesagt: Sie waren halt Jung und brauchten die Last. Am späten Abend fing es dann zu regnen an und die Temperaturen rauschten in den Keller, die von mir so innig geliebten Kaltfronten besuchten uns wieder einmal, wie so oft. Am folgenden Morgen regnete es immer noch und die Sichtweite pegelte sich so gegen Null ein. Wir marschierten nun unsererseits Richtung Malga Nardis. Unsere drei tschechischen Bergfexe wollten wieder zum Ballino-Pass absteigen. Kurz nach der Hütte war jetzt wieder reichlich Schneefeldhatschen angesagt, zum Glück war aber schon gespurt. Um die Mittagsstunde erreichten wir, nun völlig durchnässt, die Malga. Eigentlich war sie nur als Zwischenstopp für das eigentliche Ziel, die Malga Dablino gedacht. Doch die Berghütte war urgemütlich und das Wetter ungemütlich und so entschlossen wir uns kurz und knapp, dass neue Ziel heißt „Malga Nardis“. Sogleich wurde ordentlich Feuer gemacht. Holz war in Mengen da, wir mussten es nur auf Länge schneiden. Schnee brauchten wir auch nicht zu schmelzen, Wasser kam in Mengen von einer kaputten Dachrinne. Wir machten es uns also in der inzwischen angenehm warmen Hütte bequem und begannen eine Tiefenentspannungsphase Das Wetter wurde nicht besser es regnete und regnete, Sicht null. Nicht schön, aber was soll man machen. Wir machten das Beste daraus: viel essen, viel Tee trinken und viele große Bergabenteuer erzählen. Nach 22.00 Uhr beschlossen wir in die Schlafsäcke zu kriechen. Vorher gingen wir noch einmal vor die Hütte und mit einem Mal wurden wir doch noch "belohnt". Der dichte Nebel war nach unten aufgerissen und gab den Blick auf den, im Dunklen leicht schimmernden Gardasee und die vielen glitzernden Lichter der Orte frei. Ein atemberaubender Anblick von hier. Rund 1.000 m über dem See stehend und das Treiben unten betrachten. Samstag früh ging’s wieder Richtung Ballino-Pass. Es war noch stark bewölkt, hatte aber aufgehört zu regnen. Juchhe! Auf dem gut ausgebauten Bergpfad 420 stiegen wir am Südfuß des La Rocchetta (1.443 m) wieder zur Weggabelung „Tombus“ ab. Und welch Wunder, der Verbindungssteig zum Weg 462 b existierte auch hier nicht. So suchten wir uns wieder die Strecke selber und stiegen querfeldein zum Auto ab. Im Gegensatz zum Aufstieg klappte die Sache diesmal jedoch recht gut. Samstagmittag erreichten wir unser Auto. Der Plan sah ab hier vor vom Ballino- Pass zum Zeltplatz Vahrner See zu fahren und das Wochenende mit einem gemütlichen Rotweinabend abzuschließen. Jedoch auf dem Rückweg änderte sich dieser Plan. Es begann wieder recht stark zu regnen und wir hatten keine Lust mehr die Nacht in einem nassen Zelt zu verbringen. Wir fuhren einfach bis Meiningen durch. Welch eine unglaubliche Bergtour, in allen Belangen. Muss man halt erlebt haben, so was!