„Grünsteintour“ am Königsee
Kleiner Berg – Großer Steig!
Steffens Eingehtour am 18.05.2012

Nach langen Überlegungen, wohin mich meine diesjährige Saisonauftakttour führen würde, kam ich zu dem Entschluss, dass es auf Grund der Schneelage kein hohes Gipfelziel sein kann. Interessant und etwas fordernd sollte es dann aber doch schon sein. Meine Wahl fiel auf den Grünstein (1304 m) am herrlichen Königsee. Auf seinen Gipfel führt der kürzlich erweiterte Grünsteinklettersteig.

Gedacht - getan! Am Freitag nach Himmelfahrt erreichte ich gegen 07.30 Uhr den Großparkplatz in Königsee. Um diese Zeit war der sonst überlaufene Königsee noch nahezu menschenleer und mutterseelenallein lief ich auf einem gut ausgebauten Wirtschaftsweg Richtung Bob- und Rodelbahn und weiter Richtung Einstieg des Klettersteiges. Rechts ab und ein Schild wies zum Einstieg der schweren Variante, etwas oberhalb geht es zum "Normaleinstieg". Ich entschied mich natürlich für die volle Dröhnung. Nach wenigen Metern war der Anseilpunkt des Einstieges erreicht. Vor mir ging erst einmal eine senkrechte Wand ca. 50 hm empor, beeindruckend. Also die Karabinerhaken ins Seil geklinkt und los ging der Spaß – Auf’i zum Grünsteingipfel.

Die Steilwandpassagen sind mit Tritteisen gangbar gemacht, ohne wäre der Schwierigkeitsgrad wohl nicht D/E sondern ca. Z. Glatte massive, tritt- und griffarme Kalksteinfelsen, die im weiteren Verlauf noch von der Senkrechten in den Überhang wechseln. Hier wurde es dann auch wirklich recht kraftraubend, im Überhang mit zünftigem Rucksack, mit einem Arm die Karabiner umhängen und das alle paar Meter. Alter Schwede, da merkt man schnell, dass die D / E-Einstufung nicht übertrieben ist. Nach den ersten beiden Steilstufen musste ich dann doch schon mal ein Verschnaufpäuschen einlegen, man wird halt nicht jünger. Hier ließ ich auch ein junges "Speedpärchen" an mir vorbeijagen. Alle Achtung, die waren wirklich fit. Belächelnd fragten sie mich, ob ich schon mal "so einen Steig" gemacht hätte? Ich habe ihnen sofort „glaubhaft“ versichert, noch nie niemals in den Bergen gewesen zu sein, geschweige denn je einen "Klettersteig“ gemacht zu haben. Ha Ha! Verdutzte Gesichter und weiter ging ihre Hatz. Der hohe Schwierigkeitsgrad hielt sich noch eine ganze Weile. Unterdessen konnte man schon die Kletterer in der Normalroute beobachten. Diese Route verläuft ungefähr parallel zur "Räuberleiter". Nach einigen weiteren kurzen Luftholstops betritt man eine interessante Hängebrücke mit ordentlichem Tiefblick. An deren Ende vereinen sich die Steige und der Schwierigkeitsgrad fällt drastisch ab. Der Klettersteig wird zum versicherten Steig. Und dann endlich Erholung in Sicht, eine gemütliche Sitzbank lädt zu einer zünftigen Brotzeit mit herrlichem Ausblick auf den Königsee, Watzmann, Hoher Göll und Schneibstein ein. Weiter ging es Richtung Gipfel, seit dem Zusammentreffen der beiden Steige war jetzt schön Betrieb am Seil, eigentlich brauchte man es gar nicht mehr, der „Noitroi“ zur Thüringer Hütte ist schwieriger. Auf dem weiträumigen Gipfelplateau war dann noch mehr Betrieb; unablässig strömten Wanderer von der Grünsteinhütte heran. Nach wenigen Minuten Abstieg erreichte ich die Hütte, ein kurzes Weißbier und weiter ging es Richtung Kührointalm. Nach dem Wegabzweig zurück zum Königsee war ich dann plötzlich wieder allein unterwegs auf einem schmalen Bergpfad durch einen wunderschönen Mischwald. Kurze Zeit später Zeit kam ich auf der Kührointalm an, übrigens die erste "Berghütte", die ich auf meiner allerersten Alpentour vor fast zwanzig Jahren, auf den Tag genau, erreicht habe. Damals ging es weiter zum Watzmannhaus und zum Hocheck, diesmal drehte ich Richtung Achenkanzel und Rinnkendlsteig ab. Abstieg über noch recht ausgedehnte Schneefelder durch Fichtenjungwald bis zum Aussichtspunkt Achenkanzel. Von hier hat man einen grandiosen Ausblick über den Königsee und die umliegenden Berchtesgadener Berge – einfach herrlich. Nach kurzer Pause machte ich mich dann an den recht steilen und zu dieser Jahreszeit doch noch sehr rutschigen Abstieg. Vor zwanzig Jahren nahm ich heimwärts ebenfalls den Rinnkendlsteig Richtung St. Bartholomä. Vom Steig aus konnte man wie damals schon die Touristenmassen sehen. Wie bunte "Ameisen", die kreuz und quer am Ufer umherwuselten. Am frühen Nachmittag gehörte ich nun ebenfalls zu den "Ameisen" und wuselte, nach einer kurzen Brotzeit zum Anleger um mit dem Schiff nach Königsee zurückzufahren. Am späten Nachmittag ging eine sehr schöne Tagestour im jetzt völlig überlaufenen Königsee zu Ende.