"Trans-Harz" mit dem MTB vom 30.05. - 02.06.2013

Wir hatten gerade einen Kaffee bestellt als Marko anrief und sagte, sie seien gleich am Treffpunkt. Schnell habe ich ihn, Olli und Axel noch zum Bäcker gelots, wo mein Vater und ich saßen. Nach einer kleinen Stärkung fuhren wir zu unserem Parkplatz und bereiteten uns auf die erste Etappe durch den Harz vor.
Viertel nach zehn rollten unsere Räder zunächst über den Asphalt durch Wernigerode und stoßen schon ein paar Minuten später auf den Untergrund, welcher uns zu 95% für die nächsten vier Tage begleitete: Schlamm
Schon auf den ersten Kilometern ging es knackig bergauf über einen kopfsteinähnlich gepflasterten Waldweg, welcher durch den Regen Grip wie eine Duschwanne lieferte. Ein alter Wasserkanal aus Beton führte uns dann weiter durch den Wald und geleitete uns zu einem Forstweg, welcher hinauf zum Gipfel führte. Von dort ging es über ein paar Höhen und Tiefen recht schnell weiter, immer den Brocken in Sichtweite, zum Eckerstausee. Unser Singletrail-Herz verleitete uns dann am Ende der Talsperre zur Wahl eines recht schmalen Pfades, welcher in der Karte im „Nichts“ endete. Wir bewiesen das Gegenteil, der Weg führte uns nicht ins „Nichts“ sondern in die falsche Richtung und das leichte Bergauf, die schlammigen Verhältnisse und der Schwierigkeitsgrad veranlassten uns hauptsächlich zum Schieben dieser Passage. Mit ein wenig Hilfe durch Einheimische, welche clevererweise auf dem Weg in die andere Richtung waren, wurden wir wieder in fahrbare Gefilde geführt. Trotzdem waren wir nicht gänzlich böse einen solch tollen Weg gefunden zu haben, wären wir bloß aus der anderen Richtung gekommen! Zurück auf den richtigen Wegen, fuhren wir durch Wälder und Moore immer weiter Richtung Wildemann, wo wir kurz vorher noch meinen Vater trafen, der sich für unsere Trans-Harz freiwillig als Gepäcktransporteur gemeldet hatte. Er hatte bereits unsere Sachen im Hotel eingecheckt und ist uns mit dem Fahrrad ein paar Kilometer entgegen gekommen.
Am Freitag, den zweiten Tag der Harz-Rundtour von Wernigerode über Wildemann, Wieda und Thale zurück nach Wernigerode, wurden wir durch ein reichhaltiges Frühstück gestärkt. Unsere Willenskraft war trotz des Wetters ungetrübt, womöglich gefördert durch den „Schierker Feuerstein“, welchen wir uns am Abend vorher einverleibt hatten. Nachdem wir unsere Bekleidung auf Regen eingestellt und den Rädern die letzte Ölung verpasst hatten, fing es auch schon an Bindfäden zu regnen. Abwarten half nichts, das Wetter wurde nicht besser – wir fuhren los. Eingehüllt in Regenjacke, Regenhose und Plastik-Einkaufstüten strampelten wir zunächst auf der Hauptstraße gen Süden, wo das Wetter auch nicht besser wurde, und folgten dann wieder Forstwegen Richtung Sösestausee. Hin und wieder machten wir uns auf wunder-schönen Single-Trails die komplette Montur dreckig aber das war uns egal, denn das macht Spaß! Der nächste Anstieg zur Hanskühnenburg folgte bald und wurde mit einer warmen Suppe und Bockwurst belohnt. Dort stellten wir fest, dass wir nicht die einzigen „Irren“ an diesem Tag waren, die sich bei diesem Wetter mit dem Bike die Klamotten versauten. Kurz nach uns gesellte sich eine zweite Gruppe Mountainbiker in den Gastraum und trocknete ihre Sachen neben unseren am Kamin. Nach der Pause auf der Burg war die Moral wieder etwas gestärkt und der Regen ließ nun auch langsam nach.
Kurz vor der Odertalsperre kam dann auch noch die Sonne heraus. Dies sollten die einzigen 3 Stunden Sonnenschein sein, welche wir auf der gesamten Tour bekamen. Wir nutzten die Sonnenstrahlen für einen Cappuccino und einen unvergesslich guten Rhabarber-Kirsch-Kuchen im Biergarten des Waldcafés vom Bienenhof Quellmalz am Stadtrand von Bad Lauterbach. Der Abend endete in Wieda mit einer Pizza und natürlich einem doppelten Schierker Feuerstein!
Am dritten Tag, von Wieda nach Thale, brauchten wir kaum den Regen fürchten, doch schlammig war es allemal. Wir gelangten nun in südöstliche Regionen des Harzes und passierten öfters auch mal Raps- und Kornfelder. Diese Verbindungsetappen schenkten uns Zeit, denn hier purzelten die Kilometer im Vergleich zu den anderen Tagen. Dafür hatte es der Schluss in sich. In Treseburg stoßen wir auf den Hexenstieg, der entlang der Bode führt. Normalerweise ein Fußweg aber durch den starken Regen der letzten Tage war niemand unterwegs und wir wagten die gut 10 Kilometer über den Steig. Der technisch anspruchsvolle Weg verlangte Axel, Olli und mir alles ab, brachte uns aber ein dauerhaftes Lächeln auf unsere Gesichter. Nur Marko konnte ich mit der Streckenwahl keine Freude machen, er hat die meiste Zeit schieben müssen. Somit haben wir am Ende auch ca. 2,5 Stunden für das Teilstück gebraucht. Entlohnt wurden wir mit einem tollen Räucherforellen-Abendessen und kalter Platte in unserer Unterkunft „Pension Königsruhe“ direkt an der Bode im Wald unterhalb des Hexentanzplatzes.
Am Sonntag traten wir die letzte Etappe von Thale nach Wernigerode an, welche uns im schnellen Tritt über 40 km an unser Ziel führte.
Die Gesamtbilanz der vier Tage sind rund 225 km, knapp 4500 Höhenmeter, keine Pannen, keine Unfälle und trotz des Wetters glückliche Teilnehmer.